Aktuelles Forschungsprojekt

Luhmann meets Nietzsche

Orientierung im Nihilismus

 

Luhmann hat in seinem Werk jeden Anschein vermieden, mit Nietzsche zu tun zu haben. Das hatte Folgen: Bis heute scheut Nietzsche, wer Luhmann kennt, und auch wer Nietzsche kennt, scheut Luhmann. Ihre Orientierungen scheinen füreinander abwegig zu sein: Philosophie hier, Soziologie dort, hier aphoristischer und bilderreicher Stil, dort hoch komplexe, konsequent gepflegte Theorie und zwischen beiden ein Jahrhundert, das die Welt von Grund auf verändert hat. Doch Luhmann könnte für das 21. Jahrhundert entfaltet haben, was Nietzsche im 19. Jahrhundert gedacht hat. Seine soziologische Systemtheorie bewegt sich in philosophischen Dimensionen, und Nietzsche hatte bereits soziologische Perspektiven auf die Gesellschaft entwickelt, die Soziologen vom Fach bald dankbar aufgenommen haben. Nietzsche und Luhmann zusammen lassen mit ihren radikal neuen Ansätzen die meisten Philosophien und Soziologien des 20. Jahrhunderts buchstäblich alt aussehen. Sie könnten Wegbereiter einer Philosophie für das 21. Jahrhundert sein, für eine gelassene Orientierung im verstörenden Nihilismus. Wenn man sie einander begegnen lässt. 

Die Studie ist aus einer Reihe von Beiträgen entstanden, die über Jahre hinweg zunächst zu verschiedenen Gelegenheiten verfasst, dann aber immer stärker auf das zentrale Thema ,Luhmann meets Nietzsche‘ ausgerichtet wurden. Soweit die Beiträge veröffentlicht wurden, sind sie für dieses Buch zum Großteil von Grund auf überarbeitet worden und nun in XII thematisch geordneten Kapiteln konsequent aufeinander ausgerichtet. Die Kapitel sind, angesichts des Umfangs auch dieses Bandes, jedoch so gestaltet, dass sie sich, je nachdem, welches Thema interessiert, unabhängig voneinander lesen lassen.

Das Manuskript ist abgeschlossen. Es erscheint im Verlag De Gruyter, Berlin/Boston, Sommer/Herbst 2016.

 

Kapitelübersicht

 

Vorwort

Einleitung

I. Orientierung im Nichts: Nietzsches Nihilismus und Luhmanns Konstruktivismus

II. Orientierung an sich selbst: Nietzsches und Luhmanns Perspektivismus

III. Orientierung an der Zeit: Logik, Paradoxie und Theorie nach Nietzsche und nach Luhmann

IV. Trennung der Orientierungen: Nietzsches und Luhmanns Subjektkritik

V. Orientierung an Menschen: Luhmanns und Nietzsches Auflösung der Einheit des Menschen

VI. Orientierung an anderer Orientierung: Nietzsche und Luhmann zu den Spielräumen des Verstehens und Missverstehens

VII. Orientierungsmittel: Nietzsches und Luhmanns Ein- und Entgrenzung des Wissens

VIII. Bindungen der Orientierung: Nietzsches und Luhmanns Begrenzung der Moral und Befreiung der Ethik

IX. Überlegene Orientierung: Nietzsches, Luhmanns und Foucaults Entmoralisierung der Macht und die Kontexte der Demokratie

X. Ausgleichende Orientierung: Nietzsches und Luhmanns Kontextualisierungen der Demokratie

XI. Sich auszeichnende Orientierung: Persönlichkeit nach Hegel, Rang nach Nietzsche, Reputation nach Luhmann

XII. Orientierung über Orientierung: Philosophie nach Nietzsche, Luhmann und Derrida